Der Aufsichtsrat tut nach außen das, was er tun muss. Er hat vergangene Woche offiziell Schadensersatz von Martin Winterkorn, Robert Stadler und den Vorständen der anderen Motorenmarken verlangt. Damit entgeht der Vorstand zum einen den Vorwurf, die Schuldigen des Dieselskandals nicht belangt zu haben, zum anderen geht es um Geld. Hinter den Kulissen sollen Winterkorn und Stadler geschont werden. Ihnen wird bislang nur Fahrlässigkeit, nicht aber grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz vorgeworfen. Warum? Es geht um die D&O-Versicherung der Manager, deren Haftpflichtversicherung. Diese tritt aber nur für Ansprüche ein, die fahrlässig, also nicht grob fahrlässig oder vorsätzlich dem Konzern zugefügt worden sind. Muss die Versicherung einspringen, schont es das Vermögen der Herren Winterkorn und Stadler. Ob diese Argumentation am Ende so durchzuhalten ist, ist fraglich, weil in den Strafanklagen gegen Winterkorn und Stadler den Herren Vorsatztaten vorgeworfen werden.

Wer sich in exponierter Position einen Fifi auf den Kopf setzt, versucht seine Umwelt zu täuschen. Wie weit das gehen kann, hat man bei Donald Trump gesehen, bei dem der Haarstrunk noch echt ist. Der Köllner Kardinal Rainer Maria Woelki ist da im Ergebnis auch nicht besser. Er hält ein Gutachten über den Missbrauch von Kindern durch Priester unter Verschluss. Man muss davon ausgehen, dass der Inhalt so brisant ist, dass viele Würdenträger nichts anderes waren als eine kriminelle Vereinigung oder eine Ansammlung von Einzeltätern. Wenn aber der Kardinal mauert, muss er noch vor seiner Pensionierung weg.

 

Man fragt sich, weshalb die Staatsanwaltschaft hier das Gutachten nicht beschlagnahmt. Vielleicht finden sich darin ganz konkrete (nicht verjährte) Missbrauchsansätze. Wenn der Fifi- und Würdenträger Woelki die Audeckung blockiert hat, hat er Strafvereitelung begangen.

Dafür kann Martin Winterkorn zunächst einmal nichts. Der Prozess gegen den VW-Boss, wegen millionenfacher Dieselmanipulation, soll nun nicht wie ursprünglich geplant am 25.02. diesen Jahres beginnen, sondern erst am 20.04.2021. Begründet wurde die Verzögerung vom Landgericht Braunschweig damit, dass ein jetziger Prozessbeginn möglicherweise kontraproduktiv zu den politischen Beschlüssen zur Senkung der Infektionszahlen Covid-19 sei. Es sei daher sachgerecht, den Prozess erst im Frühjahr beginnen zu lassen.

 

Das dürfte unabhängig davon ganz im Interesse von Martin Winterkorn sein, denn der arbeitet anscheinend beharrlich an einem generellen „Prozess-Attest“. Anfangs ließ er das Gericht wissen, er habe einen „bösen Fuß“. Jetzt will er sich einer Hüftoperation unterziehen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Manöver auch dazu dient zu verhindern, dass das Gericht klären kann, ob nicht nur der Fuß des Managers „böse“ und er millionenfach schuldig ist.

In dem Strafverfahren um den ehemaligen Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler hat sich der Angeklagte am 12.01.2021 erstmals zu den Tatvorwürfen geäußert. Er hat hierzu eine vorbereitete Erklärung vorgelesen. Da ich bei der Verhandlung nicht selbst zugegen war, kann ich lediglich eine Ferndiagnose abgeben. Aus Verteidigersicht muss man sich ernsthaft fragen: Kommt Stadler mit der Einlassung, die er präsentiert hat, wirklich davon? Oder macht er es noch schlimmer, nach dem Motto: „Es sind immer die anderen Schuld“.

 

Die Anklage wirft Stadler vor, dass er nicht verhindert hat, dass Audi seit Ende September 2015 in Europa weiter Dieselfahrzeuge verkauft hat, die mit einer unzulässigen Motorsteuerungssoftware ausgestattet waren, also Strafbarkeit durch Nichtstun.

 

Dass Stadler nichts unternommen hat, hat er jetzt eingeräumt, meinte aber, dass er keine Veranlassung dazu gehabt habe, weil er keine konkrete Kenntnis gehabt hätte. Da muss man schon sagen: UNSINN!!!

Wir hatten Donald Trump in unserem Artikel vom 08.11.2020 dazu geraten (1) Rudy Guiliani in seinem Team herauszuwerfen und (2) sich schnellstmöglich einen guten Anwalt zu nehmen. Beides hat Präsident Stupid nicht getan. Damit wurde die Niederlage nunmehr auch zu einer kräftigen Blamage. Eine letzte Hoffnung lag nun beim Supreme Court. Donald Trump dachte allen Ernstes, weil er noch vor kurzem die Konservative Amy Barrett in den Supreme Court gehievt hatte und damit eine konservative Mehrheit von 6 zu 3 Stimmen manifestierte, dass ihm der Richter als Dank dafür die Wahl schenken würde. Ich denke, so hat Donald Trump unter seiner Frisur tatsächlich gedacht.

 

Eigentlich wollte er als größter Präsident in die Geschichtsbücher eingehen, nun geht er als einer der größten Looser ein und in den nächsten Jahren kommen verschiedene Verfahren auf ihn zu. Dass er beim Golfen betrogen hat, ist noch das geringste Übel.

 

Donald Trump ist Geschichte. Selbst wenn er in vier Jahren nochmals antreten will, eine Familiendynastie erschaffen möchte oder sich mit einer neuen Partei abzuspalten gedenkt, werden er und seine Familie keine große politische Zukunft mehr haben. Auch in Amerika.