Obwohl Daimler die in diesem Zusammenhang verhängten Bußgelder bereits bezahlt hat, wird von der Konzernzentrale weiter behauptet, dass mit der ‚Thermofenster-Lösung‘ eine legale Abgasmanipulation stattgefunden habe. Denn bei den Motorentyp OM 651 ist die Abschalteinrichtung so konzipiert, dass sie nur in einem bestimmten Außentemperaturmodus eingreife. Zwar hat das OLG Schleswig in einer Entscheidung vom September 2019 Daimler attestiert, dass man auf der Konzeption der Abschalteinrichtung nicht zwingend auf eine sittenwidrige Schädigung schließen könne. Andere Gerichte sehen das anders, weil im Praxisfahrbetrieb die Abschalteinrichtung fast immer abschaltet und damit die zur Motorschonung im Warmlaufmodus gedachte Ausnahme von Daimler zur Regel gemacht wurde.

Die Musterfeststellungsklage vor dem Braunschweiger Oberlandesgericht betrifft weit über 400.000 Fälle. Es geht immer um den gleichen Motor: EA 189. Wenn sich Volkswagen auf Vergleichsgespräche einlässt, ist dies nur konsequent. Denn bereits 2015 hatte VW in den USA Manipulationen an den Abgaswerten von diesen Motoren zugegeben.

Während Volkswagen in Deutschland nach wie vor ihre Schadensersatzpflicht für manipulierte Dieselfahrzeuge bestreitet, zahlt VW im Nachbarland Österreich für die Wertminderung von manipulierten Dieselfahrzeugen im Fuhrpark der österreichischen Polizei einen Millionenbetrag Schadensersatz. Das berichtet n-tv.de am 28.12.2019. In tausenden Verfahren in Deutschland bestreitet Volkswagen die Verpflichtung zum Schadensersatz nach wie vor, obwohl es um exakt die gleichen Fahrzeuge mit dem gleichen Motor geht.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat im Oktober 2019 wegen unzulässiger Abschaltvorrichtung einen Bescheid für die Audi-Modelle A6 und A7 erlassen. Sobald das hierfür vorgesehene Software-Update zugelassen ist, erfolgt Rückruf durch Audi. Es dürften etwa 22.000 Fahrzeuge sein.

Unter Berufung auf Aussagen von Beschuldigten und unter Verweis auf interne Unterlagen des VW-Konzerns berichtete das Handelsblatt und die ZEIT ONLINE unter Berufung auf die Staatsanwaltschaften Braunschweig und München, dass Volkswagen nach derzeitigem Stand auch bei den Automatikgetrieben manipuliert habe. Das erweitert das Feld der betroffenen Fahrzeuge erheblich. Einmal trifft das neben den bekannten VW-Modellen Tiguan, Passat und Touareg auch die großen Audi-Modelle bis hin zu A7 und A8. Der Dieselskandal beschränkt sich damit möglicherweise nicht nur auf Dieselfahrzeuge, sondern weitet sich auf Benziner aus.