Selten habe ich eine Politikerin so sehr für eine Fehlbesetzung gehalten wie Saskia Esken. Plötzlich war sie da, entsprungen aus der Boomer-Generation, der auch ich angehöre. Immer öfters gibt es Grund, sich für die geburtenstarken Jahrgänge zu schämen. Es sind nicht wenige, die damals in der Schule neben einem gesessen sind und eigentlich immer eine Fehlbesetzung sind. Dass Saskia Esken keinen Farb- und Stilberater hat oder diesen ignoriert, geht vielen aus dieser Generation so. Den deutschen Journalisten Jan Fleischhauer (übrigens auch Boomer) erinnerte die neue SPD-Chefin sofort an eine sadistische Gemeinschaftskundelehrerin. Das mögen Äußerlichkeiten sein, bringen für die SPD zunächst einmal keine Punkte. Der erste Eindruck wird dann im politischen Handeln bestätigt. Saskia Esken nutzte quasi die ersten 100 Tage im Amt dazu, sich selbst zu demontieren. Wahrscheinlich hatte sie das gar nicht vor. Das Problem war nur, dass die Leute genau hinhörten. Angetreten war sie im Gegensatz zu Olaf Scholz um aus der GroKo auszutreten. Erst als sie im Amt war, machte sie einen Rückzieher. Dabei hätte sie schon vorher wissen können: „Mitregieren ist immer besser als gar nicht regieren“.

 

Stattdessen gab sie Äußerungen von sich, die vor allem die eigenen Partei in Bedrängnis brachten und in der Regel nicht einmal mit NoWaBo abgesprochen schien, weil der immer ein bisschen ungläubig drein schaute.

 

In Erinnerung blieb, dass sie die Polizei anraunzte, dass diese keine Recht darauf habe, angebetet zu werden. Bis heute ist nicht einmal klar, wer so etwas gefordert hat.

 

Als Corona kam, Art und Ausmaß noch gar nicht abzusehen war, rief Esken zum Klassenkampf. Die Urlauber aus Ischgl waren noch nicht einmal richtig zurück in Deutschland, da verlangte Esken eine Vermögensabgabe der Reichen. Ich dachte: Zum Glück ist Angela Merkel Kanzlerin (Gegenprobe: Stelle dir vor, es ist Corona und Saskia Esken ist Bundeskanzlerin…). Die Chefökonomin „Der Welt“ hielt es für brandgefährlich, über einen Lastenausgleich nachzudenken, bevor die akute Gefahrenlage auch nur annähernd bewältigt ist und attestierte Saskia Esken: „Die SPD-Chefin hat den Ernst der Lage noch immer nicht verstanden“.

 

Okay, vielleicht war es ja nur das falsche Thema. Dann forderte Esken plötzlich aus dem Nichts den Abzug der Amerikaner aus Deutschland und einseitigen Abbau von Atomwaffen auf deutschem Boden, was jetzt wirklich brandgefährlich ist. Esken hatte die Idee der Endmilitarisierung noch bevor Donald Trump hierauf kam, um Angela Merkel und den Deutschen eins auszuwischen, weil Merkel den G-7-Gipfel abgesagt hatte.

 

Dann neues Thema, neuer Versuch: Nach weltweiter Anteilnahmen am Tod von Georg Floyd sah die SPD-Chefin plötzlich einen „latenten Rassismus“ bei den Sicherheitskräften der deutschen Polizei. Angeblich soll sie zwischenzeitlich zurückgerudert sein, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass Saskia Esken überhaupt rudern kann.

 

Wenn die SPD nicht alle Chancen vergeigen will, sollte sie Saskia Esken sobald als möglich nach Bad Liebenzell schicken. Dort kann sie wirken zusammen mit ihrem Mann Roland, der im Ruhestand sich als Vorsitzender des Vereins Württembergische Schwarzwald-Bahn Calw-Weil der Stadt (WSB) e. V. engagiert. Dort hat Saskia Esken auch schon gewirkt und soll sie auch wieder wirken.

 

Letztlich hat es mich nicht gewundert, als ich ihre Vita las. Nach ihrem Abitur 1981 am Johannes-Kepler-Gymnasium in Weil der Stadt, begann sie Studium, brach dieses allerdings ab und arbeitete danach als Paketzustellerin und Kellnerin. Immerhin wurde sie 1990 staatlich geprüfte Informatikerin. Wegen Kinder verzichtete sie auf eine entsprechende Berufstätigkeit. In dem Zusammenhang kam sie über die ehrenamtliche Elternvertretung zum Vorsitz des Landes Elternbeirat Baden-Württemberg.

 

Saskia Esken hatte eine Chance, die sie nicht zu nutzen verstand. Das meint auch die SPD.

 

Bezüglich der politischen Kompetenz traut fast die Hälfte aller Bundesbürger (48 Prozent) der Union zu, mit den politischen Problemen am besten fertig zu werden. Der SPD trauen das weiterhin deutlich weniger Bürger zu (7 Prozent), veröffentlicht im ntv-Trendbarometer am 13.06.2020. Saskia Esken wollwn sich aus den eigenen Reihen gerade mal 3 % überhaupt als Kanzlerkandidatin vorstellen. 85 % der SPD-Mitglieder halten Olaf Scholz geeignet Online-Umfrage der BILD vom17.06.2020).

 

Die Welt.de zitiert den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden „So kann sich die SPD als Volkspartei nicht halten. Die SPD hat unsere Einwände nicht wahrgenommen“. Da haben  Esken und Walte-Borjans versagt: sie haben nicht verstanden, was es heißt (der Partei) „dienen“. Das bedeutet nämlich nicht aufstehen und einfach irgendwelche Ideologien ins nächste Mikrofon anzukündigen. das geht an jeder Realität vorbei. Eigentlich teilt Saskia Esken bei jeder Gelegenheit ihre innere Gesinnung „gegen alles“ mit. Die Süddeutsche Zeitung geht in ihrem Artikel “SPD-Chefin ohne Freund und Helfer“ vom 12.06.2020 auf Spurensuche und findet. Die junge Saskia stemmte sich schon Mitte der Siebziger gegen die konservative Grundhaltung in ihrer Heimat gestemmt und sich von Weil der Stadt über grundsätzliche Fragen von Vermögen und Einkommen beschäftigt, wo mehr Bürger ihren „schaffe, schaffe‚ Häusle baue“-Traum verwirklicht haben, als sonst wo in der Republik. Es kommt einem so vor, als war die Heimat der Bundesvorsitzenden dieser früher nur zu spießig. Sie hat also Opposition gelernt, nicht aber Verantwortung übernehmen. Auf Anfrage der Welt wollte sie nicht über ihre Vergangenheit in Weil der Stadt sprechen. Wahrscheinlich alles zu spießig.

 

Nicht die SPD verspielt ihren Stimmenzuwachs in Corona-Zeiten, es ist vielmehr die Vorsitzende Saskia Esken. Das ist nicht etwa Kalkül, sondern Unvermögen. Wenn man immer nur dagegen ist, heißt das noch nicht, dass man etwas positiv bewerkstelligen kann: bei Saskia Esken wird das so bleiben.